vom PC69 zur Talkshow – 23.Mai 2000

Den Bericht haben Tina und ich (Angy) gemeinsam auf der Zugfahrt von Bielefeld nach München zum TV-Sender „Pro7“ verfasst.
2 Videos zu der Sendung findet Ihr am Ende des Textes!

Tina hat den folgenden Bericht später aus ihrer Sicht veröffentlicht
und hier ist er:
Angy und ich treffen im PC69 in Bielefeld (Stammdisco für DarkSzene-Anhänger) aufeinander. Es ist Freitagabend.
Bei Angy ist man ja nie vor Überraschungen sicher, aber Seelenstriptease im „Gefrustete-Hausfrauen-TV“…

Kurz und knapp schilderte Angy, wie ihr Bekannter Tom, der Initiator und Betreuer des „Gothic’s Culture“ – Projektes von Pro Sieben angesprochen, bzw. per eMail angeschrieben wurde, zwecks einer Darstellung der Gothic & Wave Szene in der Sendung.
Tom war in gutem Glauben ohne große Erwartungen auf eine mögliche Resonanz innerhalb der Szene und gab diese Bitte des Pro7-Teams an Angy weiter.

Für mich (Tina) persönlich stand fest: ich hatte noch nie eine objektive Berichterstattung über die Szene erlebt und hatte deshalb auch kein Bedürfnis zu diesem Negativbild beizutragen. Zum einen liegt mir die Selbstdarstellung nicht.
Mir, aber auch Angy ist es satt, seit nun mehr 20 Jahren immer wieder den „Normalos“ erklären zu müssen, warum ich mich zur schwarzen Szene zugehörig fühle. Mit der Ablehnung und den Missverständnissen, die wir immer wieder im Alltag erleben, haben wir schon genug zu kämpfen.
Auf der anderen Seite würde ich (Tina) auch nie riskieren, vor meinen Freunden mein Gesicht zu verlieren oder vielleicht meinen Job, in dem ich mich Tag täglich immer wieder anpasse und unterordne – würden meine „Normalo-Kollegen“ mich überhaupt noch ernst nehmen?

Die sensationsgeilen Medien halten uns „Schwarze“ doch sowieso für Satanisten oder Grabschänder, egal was man denen erzählt.

Mein Ziel war es, zumindest der Versuch zu unternehmen, den Menschen vor dem Fernseher deutlich zu machen, dass wir eigentlich ganz normale Menschen sind und einfach in Ruhe gelassen werden wollten.

Angy und ich haben nicht nur im PC69 viele „Fraggles“ kommen und gehen sehen, Mitläufer, Jugendliche in ihrer Adoleszenz, die bei ihrer Suche nach dem eigenen Ich Station in der Szene machten.

Doch zurück zum eigentlichen Geschehen und der Planung von Pro7:

Wir waren beim Thema „Darstellung der Szene durch Mitläufer“. Ich gebe Euch ein Beispiel: Es entstand die Idee, uns in einem Sarg hereinzufahren, mit einem Totenkopf in der Hand. Sensationsgeile, selbstherrliche Fraggles hätten hier bestimmt begeistert zugestimmt. Nun, Särge und Totenköpfe sind Attribute der Szene aber diese Gegenstände lösen bei der Durchschnittsbevölkerung sagenhaftes Entsetzen aus. Angy und ich lehnten dankend ab.

Wir fassten uns also ein Herz und schickten ein Fax an Pro Sieben, dass Angy und ich bereit wären, zwar in der Sendung aufzutreten, aber nicht nach deren Ablauf.
Ich muss zugeben, dass ich insgeheim ab und zu doch gehofft habe, dass der Sender das Fax in die Mülltonne schmeißt. Als aber das Telefon klingelte…


Dieses Statement schrieben Tina und Angy vor Austrahlung der Talkshow und die Enttäuschung war nicht gerade gering, als wir festellen mussten, was letztendlich über den Sender ging…

Folgende Gespräche wurden geschnitten:

  • Eine Definition der Szene über Musik mit Songtexten über Tod und Vergänglichkeit als Ablehnung der Konsumgesellschaft
  • Angy’s ausführliche Erklärung ihres Musikgeschmacks und den verschiedenen Genres
  • Erläuterung des Klischees und warum die Leute Angst vor uns haben, so à la Grabschänder und Leichenfledderer

Damit „reduzierte“ sich der TV-Auftritt schwerpunktmäßig auf Tinas und Angys Familienverhältnisse und weit weniger auf die Statements zur DarkWave-Szene in NRW und auch kein sterbens Wörtchen zum PC69

Schade, sehr schade…..


vom PC69 zur Talkshow - Angy und Tina

vom PC69 zur Talkshow - Angy und Tina,rechts Feli von Gothic's Culture

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