Meine Entwicklung

Angy war nicht immer die Angy, die man heute kennt.

Sicher wird es einen Grund dafür geben, warum meine Mutter mir diesen Namen gegeben hatte, aber darüber spricht sie mit mir nicht.

Schon im Kindesalter fand ich diesen Vornamen altmodischen und Zuhause sowie in der Schule wurde ich unterdrückt, was mir natürlich nicht gefallen hatte. Zudem wurde ich von meinen Mitschülern gehänselt und leider auch nicht ernst genommen. Dabei suchte ich lediglich nach Anerkennung und Aufnahme in einem Freundeskreis, aber dann wurde ich nur noch „Klette“ genannt. Hinzu kam noch, dass viele Menschen meinen Nachnamen nicht korrekt schrieben oder aussprachen, was mich immer beschämte und ärgerte. Letztendlich zog ich mich zurück und war allein. Alles in Allem blieb ich bis zu meinem Schulabschluss das uncoole Mädchen!

1985 nutzte ich die Chance durch meine Lehrstelle, welche in einem anderen Ort war und nahm ab diesem Zeitpunkt mein Leben selber in die Hand!

Mein Motto war seitdem: „Dreist kommt weiter!“ und außerdem hatte ich mich für mein Sternzeichen „LÖWE“ interessiert und wollte in vielen Dingen dessen Eigenschaften annehmen, wie z. B. mutiger, eigensinniger und tatkräftiger.

Mit meiner neuen Willensstärke und dem unbewussten Einstieg in die New Wave Szene formte ich mein eigenes Leben. Knallhart änderte sich mein Image sowie Outfit. Im dunklen Style stellte ich mich bei neuen Personen als „Angy“ vor – diese Abkürzung mochte ich schon als Teenie, aber darauf ist in der Schulzeit niemals jemand eingegangen. Meine Oma (Erziehungsberechtigte), mein Halbbruder und meine geschiedene Mutti sowie alle Verwandten nannten mich grundsätzlich beim Vornamen, aber nach dem ich 18 Jahre alt war, ignorierte ich es  hin und wieder oder reagierte gar nicht. Es enttäuschte und belastete mich sehr, dass keiner von ihnen auf meinen Wunsch eingegangen ist, mich „Angy“ zu nennen!

1987 bin ich nach Bielefeld gezogen und habe dort bei der Stadtverwaltung nachgefragt, ob es möglich sei, den Vornamen ändern zu lassen – was anscheinend mit einem hohen Kostenfaktor verbunden war und das konnte ich mir nicht leisten. Für die Behörden musste ich also „Angelika“ bleiben, jedoch fiel es mir bei Anträgen oder Bewerbungen immer extrem schwer, diesen Vornamen zu schreiben, so dass es sich negativ auf meinen psychischen Zustand auswirkte.

1993 erlebte ich eine gravierende Lebensveränderung, da ich durch einen absolut puren Zufall meinen Erzeuger kennen lernte. Ab diesem Zeitpunkt erfuhr ich zum ersten Mal einen Teil der Wahrheit über meine Familienverhältnisse, denn es gab nie eine leibliche Verbindung zu einer Person mit meinem Nachnamen. Dieser Familienschwindel war für mich ziemlich deprimierend, so dass ich mich mit meinem Nachnamen nicht identifizieren konnte. Zu meinem Erzeuger habe ich daraufhin den Kontakt komplett abgebrochen!

Ich lebte einige Jahre mit diesem Wissen weiter, aber der Wunsch meinen Vornamen zu ändern bestand nach wie vor und in diesem Zuge wäre die Änderung meines Nachnamens ebenfalls sinnvoll, um weitere psychische Belastungen zu verringern. Allerdings habe bzw. konnte ich nie mit jemanden darüber sprechen und so blieb es immer mein Geheimnis.

2016 habe ich von den neuen Namensänderungsmöglichkeiten erfahren, die es bereits einige Jahre gab und wollte diese so schnell, wie möglich vornehmen lassen. Das ganze läuft noch und ich hoffe, dass sich die Weichen positiv für mich stellen und endlich „Angy Dark“ in meinem Personalausweis steh.

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Kommentar: “Meine Entwicklung

  1. Ausgeschlossen, verleumdet, bedroht, geschlagen:
    Erwachsene, die als Kinder gemobbt wurden, leiden noch Jahre später. So können Depressionen eine Spätfolge von dieser Schikane sein!

    Die Indizien scheinen sich möglicherweise zu verdichten, daß Mobbing in der Kindheit bis ins Erwachsenenalter hineinwirken kann. Viele Kinder und Jugendlichen werden während ihrer Schullaufbahn von Mitschülern beleidigt, schikaniert, benachteiligt und ausgegrenzt. Für manche dieser Mobbing-Opfer sind diese Belastungen so gravierend, dass sie recht früh ernst zunehmende psychische Störungen entwickeln.

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